Schlechtes Gewissen als Mutter

Wirst du manchmal laut zu deinem Kind und hast danach ein schlechtes Gewissen? Erfahre, warum das nichts darüber aussagt, ob du eine gute Mutter bist – und weshalb Mitgefühl oft hilfreicher ist als Perfektion.

Schlechtes Gewissen als Mutter? Warum Lautwerden nicht bedeutet, eine schlechte Mama zu sein

„Ich bin schon wieder laut geworden.“

Diesen Satz höre ich in meiner Praxis immer wieder.
Meist wird er ganz leise ausgesprochen. Manchmal fließen Tränen. Fast immer folgt unmittelbar danach ein zweiter Satz: „Ich bin einfach keine gute Mama.“

Wenn du das kennst, möchte ich dir zuerst eines sagen:
Du bist mit diesem Gefühl nicht allein.

Viele Mütter erleben Momente, in denen ihnen die Geduld fehlt. Sie werden laut, reagieren gereizt oder sprechen schärfer, als sie es eigentlich möchten. Was sie anschließend oft viel stärker belastet als der eigentliche Moment, sind die Schuldgefühle. Sie fragen sich, ob sie ihrem Kind geschadet haben oder ob sie als Mutter versagt haben.
Doch genau an dieser Stelle lohnt sich ein anderer Blick.

Hinter dem Lautwerden steckt oft etwas ganz anderes

In den seltensten Fällen werde ich in einer Beratung einer Mutter begegnen, die laut wird, weil ihr ihr Kind egal ist.
Ganz im Gegenteil.
Es sind häufig gerade die Mütter, die besonders liebevoll sein möchten, die sich selbst am meisten unter Druck setzen. Sie möchten ihre Kinder bedürfnisorientiert begleiten, jede Emotion auffangen, geduldig bleiben und ihrem Kind Sicherheit geben – jeden einzelnen Tag.

Das ist ein wunderschöner Wunsch. Aber manchmal wird aus diesem Wunsch ein Anspruch, der kaum zu erfüllen ist.

Mütter tragen heute unglaublich viel

Familien leben heute häufig als Kleinfamilie. Viele Großeltern wohnen nicht in der Nähe, Unterstützung muss organisiert werden und ein großer Teil der Care-Arbeit liegt auf den Schultern weniger Menschen.

Gleichzeitig wissen wir heute so viel über die Bedürfnisse von Kindern wie nie zuvor.
Wir wissen, wie wichtig Bindung ist.
Wir wissen, wie bedeutsam es ist, Gefühle ernst zu nehmen.
Wir wissen, wie sehr Kinder davon profitieren, gesehen und verstanden zu werden.

Dieses Wissen ist wertvoll. Gleichzeitig kann es dazu führen, dass Mütter den Eindruck bekommen, sie müssten jederzeit ruhig, verständnisvoll und emotional verfügbar sein.
Doch wo bleibt in all dem eigentlich die Mutter?

Auch Mütter haben Gefühle

Diese Frage stelle ich in meinen Beratungen immer wieder.

Wer kümmert sich eigentlich um die Bedürfnisse der Mutter?

Auch Mütter sind erschöpft.
Sie machen sich Sorgen.
Sie schlafen schlecht.
Sie tragen Verantwortung.
Sie erleben Stress.
Und manchmal sind sie einfach ungeduldig.

Das macht sie nicht zu schlechten Müttern. Es macht sie zu Menschen.

Müssen Kinder wirklich eine perfekte Mutter erleben?

Ein Gedanke begleitet mich in meiner Arbeit immer wieder. Vielleicht nehmen wir unseren Kindern sogar etwas, wenn wir versuchen, unsere eigenen Gefühle vollständig vor ihnen zu verstecken.

Kinder lernen nicht nur durch das, was wir ihnen erklären.
Sie lernen vor allem durch das, was sie erleben.

Wenn ein Kind sieht, dass seine Mutter traurig ist, genervt oder auch einmal ungeduldig, erlebt es zunächst etwas sehr Menschliches.

Entscheidend ist nicht, dass schwierige Gefühle niemals auftauchen.
Entscheidend ist, was danach passiert.
Geht die Mutter wieder auf ihr Kind zu?
Kann sie erklären, was gerade los war?
Kann sie Verantwortung übernehmen, ohne sich selbst abzuwerten?

Genau darin steckt eine wichtige Erfahrung.
Kinder lernen, dass Gefühle kommen und wieder gehen.
Dass Konflikte zu Beziehungen dazugehören.
Und dass Versöhnung möglich ist.

 

Schuldgefühle helfen selten weiter

Ein schlechtes Gewissen zeigt oft, wie wichtig uns unsere Kinder sind.

Doch wenn Schuldgefühle dazu führen, dass wir uns selbst immer wieder verurteilen, verlieren wir etwas Wichtiges.
Mitgefühl mit uns selbst.

Viele Mütter würden einer guten Freundin sofort sagen:
„Du hast einen schweren Tag. Das macht dich noch lange nicht zu einer schlechten Mutter.“ Sich selbst sagen sie genau das Gegenteil. Dabei brauchen Kinder keine perfekte Mutter.

Sie brauchen eine Mutter, die Verantwortung übernimmt, wenn etwas schiefgelaufen ist.
Eine Mutter, die sich entschuldigen kann.
Eine Mutter, die Beziehung immer wieder neu gestaltet.
Und eine Mutter, die auch lernt, freundlich mit sich selbst umzugehen.

Mein Wunsch für dich

Vielleicht erinnerst du dich beim nächsten Mal, wenn du dich nach einem schwierigen Moment verurteilst, an einen anderen Gedanken.

Nicht: „Warum bin ich so?“
Sondern: „Was hat mich heute so an meine Grenze gebracht?“

Diese kleine Veränderung macht einen großen Unterschied.

Sie richtet den Blick nicht auf Schuld, sondern auf Verständnis. Nicht auf Perfektion, sondern auf Menschlichkeit. Und genau dort beginnt für viele Mütter echte Veränderung. Denn Kinder brauchen keine perfekte Mama. Sie brauchen eine Mutter, die sie liebt, die immer wieder in Verbindung geht und die sich selbst mit derselben Freundlichkeit begegnet, die sie ihrem Kind jeden Tag schenken möchte.

 


Wenn du dich individuell zu deinen Themen beraten lassen möchtest, dann buche gerne ein Erstgespräch mit mir:

➡️ Erstberatung buchen

Oder treffe andere beroffene Frauen auf einer meiner Veranstaltungen:

➡️ Aktuelle Veranstaltungen und Angebote von mir

DU WILLST MEHR?

TRAG DICH IN MEINE NEWSLETTER-LISTE EIN UND ERHALTE DIE NEUESTEN TIPPS FÜR MÜTTER & EINLADUNGEN ZU WORKSHOPS!

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Datenschutz-Einwilligung 
Teile diesen Wissen auf:
Pinterest
fb-share-icon
LinkedIn
Share
Copy link
URL has been copied successfully!

Weitere Artikel

Junge Mutter im Chaos und den Anforderungen des Alltags
Alltagstipps

Radikale Akzeptanz – Mama werden

Radikale Akzeptanz bedeutet, das anzunehmen, was ist – auch wenn wir es uns anders gewünscht, vorgestellt oder geplant haben. Gerade im Übergang zum Mama-Sein kann das eine enorme Herausforderung sein.

Weiterlesen »
Selbstfürsorge im Mama-Alltag ist nicht das Sahnehäubchen. Sie ist Basis. Sie stärkt deine mentale Gesundheit als Mutter und sorgt dafür, dass du nicht leer läufst, sondern im richtigen Moment auftankst.
Alltagstipps

Selbstfürsorge für Mütter

Selbstfürsorge für Mütter ist kein Luxus, sondern Basis. Erfahre, warum kleine Routinen, Vorbilder und innere Bilder deine mentale Gesundheit stärken – und wie du Selbstfürsorge im Mama-Alltag umsetzen kannst. Plus: Infos zu meinem regelmäßig stattfindenden Workshop.

Weiterlesen »
Junge Mutter hält Baby im Arm und guckt nachdenklich.
traumatische Geburt

War das noch normal oder eine traumatische Geburt

Viele Frauen spüren nach der Geburt, dass etwas in ihnen schwerer geworden ist. Sie merken, dass sie innerlich immer wieder an den Moment zurückkehren.„Ist das normal? Muss das so sein? Bin ich einfach zu empfindlich?“ Gerade beim ersten Kind fehlt oft der Vergleich. Erfahre, woran du erkennst, ob deine Geburt

Weiterlesen »
Was hilft nach einer traumatischen Geburt? Dieser Artikel gibt praktische Impulse zur Verarbeitung, von Gesprächen bis zu Ritualen – basierend auf langjähriger Erfahrung in der emotionalen Begleitung von Frauen. Für einen neuen Blick auf dein Geburtserlebnis und mehr Leichtigkeit im Mama-Sein.
traumatische Geburt

So verarbeitest du eine traumatische Geburt

Was hilft nach einer traumatischen Geburt? Dieser Artikel gibt praktische Impulse zur Verarbeitung, von Gesprächen bis zu Ritualen – basierend auf langjähriger Erfahrung in der emotionalen Begleitung von Frauen. Für einen neuen Blick auf dein Geburtserlebnis und mehr Leichtigkeit im Mama-Sein.

Weiterlesen »
traumatische Geburt

Maries Geschichte: Spuren einer traumatischen Geburt

Eine traumatische Geburt muss nicht bestimmen, wie du in die nächste Geburt gehst. Maries Geschichte zeigt, wie auch du deine Geburt verarbeiten kannst – für mehr Vertrauen, mentale Gesundheit als Mama und eine selbstbestimmte Geburt, die sich sicher und gut anfühlt.

Weiterlesen »
Babyblues oder Wochenbettdepression? In diesem Blogartikel erfährst du verständlich und einfühlsam den Unterschied – und woran du erkennst, wann du dir Unterstützung holen darfst. Für mehr mentale Gesundheit, innere Stabilität und Stärke im Mama-Sein.
Ängste rund um die Geburt

Systemische Beratung für Frauen und Mütter

Du bist Mama und fühlst dich manchmal falsch, zu sensibel oder überfordert? Dieser Artikel zeigt dir, wie systemische Begleitung bzw. systemische Beratung hilft, dich selbst wieder besser zu verstehen – liebevoll und ohne Urteil.

Weiterlesen »
Du bist Mama und fühlst dich manchmal falsch, zu sensibel oder überfordert? Dieser Artikel zeigt dir, wie systemische Begleitung bzw. systemische Beratung hilft, dich selbst wieder besser zu verstehen – liebevoll und ohne Urteil.
traumatische Geburt

Ist es eine Wochenbettdepression oder nur Babyblues?

Babyblues oder Wochenbettdepression? In diesem Blogartikel erfährst du verständlich und einfühlsam den Unterschied – und woran du erkennst, wann du dir Unterstützung holen darfst. Für mehr mentale Gesundheit, innere Stabilität und Stärke im Mama-Sein.

Weiterlesen »
Blogbeitrag von Anne Planz zum Thema: Ständig Verfügbar-Sein als Mutter– besonders beim Stillen. Ein ehrlicher Text über Erschöpfung, Nähe und den Weg zurück zur inneren Verbindung.
Alltagstipps

Das „Immer-verfügbar-sein“ erschöpft Mütter

Stillen, Nähe und der schmale Grat zwischen Verbindung und Überforderung. Die Gedanken einer Mutter – eingefangen in einem Moment tiefer Erschöpfung. Ich höre zu. Ich begleite. Und ich schreibe auf, was viele Mütter fühlen – aber kaum jemand laut sagt.

Weiterlesen »